Eine Kurzgeschichte von Danara DeVries

Alle Rechte dieser Kurzgeschichte liegen bei Danara DeVries.

***

Mit ihren kleinen T├╝rmchen, dem pr├Ąchtigen Portal und den vielfarbigen Bundglasfenstern glich die Magische Akademie eher einem verwunschenen M├Ąrchenschloss denn einer ehrw├╝rdigen Lehranstalt. Das graue Gem├Ąuer harmonierte perfekt mit dem handgemachten Glas, setzte es regelrecht in Szene. Die morgendlichen Sonnenstrahlen fielen perfekt auf die gl├Ąsernen Eins├Ątze der Scheiben und reflektierten das Licht in allen nur erdenklichen Farbnuancen. Gebannt bewunderte er das Schauspiel, verfolgte fasziniert das sich ├Ąndernde Farbspektrum, je weiter die Sonne ├╝ber die H├╝gel Asgards kroch. Irgendwann kniff er von der Vielf├Ąltigkeit der Farben die Augen zusammen und wandte sich ab. Die Helligkeit brannte in seinen Augen. Tr├Ąnen liefen ├╝ber seine Wangen und er musste heftig blinzeln, um ├╝berhaupt etwas erkennen zu k├Ânnen.
┬╗Na so schlimm wird es schon nicht werden.┬ź Loke J├Ârd blinzelte und fuhr zu der Frau herum, die seine Reaktion unverfroren bewertet hatte. Ihr Hochmut schnitt in sein Bewusstsein und auch wenn er sich gerade vor der schmerzhaften Reflexion der morgendlichen Sonne abgewandt hatte, so gab ihr das noch lange nicht das Recht, ihn in solch einen herablassenden Ton anzusprechen.
Irritiert starrte er sie an. ┬╗Was meinen Sie?┬ź Unbewusst ahmte er ihren Tonfall nach. Nat├╝rlich wusste er, was sie gemeint hatte, aber er w├╝rde ihr nicht die Genugtuung einer Erkl├Ąrung geben. Sollte sie doch denken, was sie wollte. Heute war der Tag seiner Immatrikulation. Jeder, der hier stand und geblendet das Spiel der Farben beobachtete, war ein gr├╝ner Anf├Ąnger. Seine Mutter hatte ihn vor dem Schauspiel gewarnt. Er solle m├Âglichst nicht wie ein T├Âlpel dort stehen bleiben und starren. Doch Loke hatte ihren Rat in den Wind geschlagen und sich der Faszination hingegeben. Damit war er f├╝r jeden gut sichtbar als Novize erkennbar. Nur sie blieben stehen, alle anderen ÔÇô ├Ąltere Jahrg├Ąnge und Dozenten ÔÇô hasteten unger├╝hrt an ihm vorbei und waren mit ihren Gedanken bereits bei Stundenpl├Ąnen, Vorlesungen und dem heutigen Speiseplan besch├Ąftigt.
Ihr Lachen l├Âste die bissige Antwort, die ihm bereits auf der Zunge lag, auf und verleitete seine Mundwinkel zu einem am├╝sierten Zucken. Das blonde Haar wallte ihr in atemberaubenden Locken ├╝ber die schmalen Schultern und ihre gr├╝nen Augen stellten die farbenpr├Ąchtige Sch├Ânheit der Buntglasfenster in den Schatten. Das Lachen breitete sich ├╝ber ihr Gesicht aus und sie warf die gl├Ąnzenden Massen in den Nacken. ┬╗Du bist neu hier, nehme ich an?┬ź Sie lie├č ihre Hand durch die blonden Wogen gleiten und sch├╝ttelte es l├Ąssig aus. Loke hatte noch nie solches Haar gesehen, als h├Ątte es ein Eigenleben. Liebkosend schl├Ąngelte es sich um ihren Arm, floss ├╝ber die glatte Handfl├Ąche.
Unf├Ąhig, sich von diesem Anblick zu l├Âsen, konnte er nur ein schwaches Nicken erwidern. Bei Odins Auge, was w├╝rde er geben, nur ein einziges Mal seine Finger in die goldenen Massen zu tauchen.
┬╗Ich auch!┬ź, perlte sie und l├Âste ihre Hand aus den schl├Ąngelnden Massen. Medusa!, schoss es ihm durch den Kopf. Das war das Haar einer Medusa! Nur das es nicht rot, sondern blond war. Blonde Unschuld reichte ihm eine schmale Hand und er starrte stumpfsinnig auf die eleganten Finger.
┬╗Sigrid von Stetten!┬ź Am├╝siert wackelte sie mit den Fingern und er hob den Kopf. Die gr├╝nen Augen musterten ihn mit einer Spur Herablassung, aber keineswegs feindselig, eher aufmerksam und interessiert. Loke verlor sich beinahe in diesen funkelnden Smaragden.
┬╗Loke J├Ârd┬ź, stotterte er und ergriff die Gelegenheit, die Hand zu k├╝ssen, mit der sie durch die flie├čenden Wogen ihrer Locken geglitten war. Hastig beugte er sich ├╝ber ihre schlanken Finger und fuhr sacht mit den Lippen ├╝ber die straffe Haut. Gen├╝sslich schloss er die Augen und inhalierte den blumigen Duft. Ein Hauch Rosen versetzt mit einer Spur Koriander. Vermutlich war sie noch am Morgen durch die Roseng├Ąrten ihrer Familie gestreift. Die von Stettens waren bekannt f├╝r ihre Rosenzucht und f├╝r den Sitz im Rat nat├╝rlich. Nat├╝rlich h├Ątte Sigrid auch einer anderen Familie mit ├Ąhnlich klingendem Namen angeh├Âren k├Ânnen, doch Loke kannte jedes der zw├Âlf Ratsmitglieder und Sighurt von Stetten war ihm kein Unbekannter. Er war vielleicht nicht der Vorsitzende, aber durchaus so wortgewandt, dass er in der ├ľffentlichkeit immer wieder mit seinem schwungvollen Reden auffiel. Selbst wenn Loke sich nicht sicher gewesen w├Ąre, die Art, wie sie den Namen ihrer Familie aussprach, verriet ihm, dass sie es drauf anlegte, ob er wusste, wer sie war, wer ihr Vater war. Loke l├Ąchelte. Nun, sie war nicht dumm. Vielleicht bemerkte sie auch seinen Namen.
┬╗J├Ârd, so, so┬ź, murmelte sie und er sp├╝rte, wie sie unter seinem Kuss vibrierte. ┬╗Die J├Ârds mit dem Anwesen vor der Stadt?┬ź
Loke erstarrte. Mit ihrem Rosenduft konnte er nicht mithalten, vermutlich stank er regelrecht nach Kartoffeln. Sein Vater strebte neuerdings den Anbau dieser Frucht an, sie solle wohlschmeckend und leicht bek├Âmmlich sein. Loke hasste sie! Wie konnte er nur etwas derart Widerliches essen! Man musste in der Erde w├╝hlen, um die angeblich so k├Âstlichen Fr├╝chte zu ernten. Dreckig, ekelhaft und unter seiner W├╝rde!
┬╗Ja, genau diese J├Ârds!┬ź Er hasste seine Familie! Statt in einer edlen Stadtvilla ihrem Stand angemessen zu leben, hatten sich seine Eltern lieber auf dem Land verkrochen. Wie sollte er da je Kontakt zu den h├Âheren T├Âchtern kn├╝pfen? Er brauchte eine lohnende Verbindung. Von Stettens h├╝bsche Tochter k├Ąme ihm da gerade recht, zumal sie nicht von schlechten Eltern war. Er wagte einen sch├╝chtern Blick ├╝ber ihren Handr├╝cken, hob leicht den Kopf und erwiderte erfreut ihr L├Ącheln. Da war keine Verachtung. Nun, vielleicht ein winziger Zug Hochn├Ąsigkeit und Herablassung, aber das machte sie nur attraktiver. Zumal ihre Familie einen Sitz im Rat hatte. Sie konnte sich diese Herablassung leisten. Loke jedenfalls war hocherfreut, keine Verachtung in ihren funkelnden Smaragden zu erkennen. Nur ÔÇŽ Lust?
Verunsichert erhob er sich und hielt ihre Hand fest. W├╝rde er sich an seine gute Erziehung erinnern, h├Ątte er sie jetzt losgelassen. Aber er konnte nicht. Seine Augen verfingen sich erneut in den strahlenden Smaragden und er verga├č dar├╝ber hinaus, dass er noch immer ihre Hand hielt. Seine Brust krallte sich schmerzhaft zusammen. Ob sie ihn verzauberte. Bei diesem intensiven Gr├╝n w├╝rde es f├╝r sie eine Leichtigkeit sein, M├Ąnner in ihren bann zu ziehen. ┬╗Bist du eine Magierin?┬ź, stammelte er nerv├Âs und atmete tief durch. Er hatte gar nicht gemerkt, dass er w├Ąhrend des Starrens automatisch die Luft angehalten hatte. Pfeifend entwich ihm die Atemluft.
Sigrid lachte perlend und erwiderte seinen feuchten H├Ąndedruck. Bei Odin, was war nur mit ihm los? Er hatte sich doch sonst immer unter Kontrolle! Aber seine K├Ârperfunktionen spielten v├Âllig verr├╝ckt. Er schwitzte wie ein Hochleistungssportler, sein Herz h├Ąmmerte heftig gegen die Innenseite seines Brustkorbes und wenn es nur noch ein klein wenig mehr an Geschwindigkeit zulegte, w├╝rde es aus seiner Brust h├╝pfen, direkt in ihren Schoss.
┬╗Nein!┬ź Sie hob seine Hand in ihre Lippen und platzierte hauchte z├Ąrtlich ├╝ber seine empfindlichen Kn├Âchel. ┬╗Aber vielleicht werde ich das.┬ź Sie hob lassziv die Lider und funkelte ihn herausfordernd an. Sein Herz setzte einen entsetzten H├╝pfer aus, nur um wenige Sekunden sp├Ąter gl├╝cklich weiterzuhoppsen.
┬╗Hei├čt das, du bist eine Novizin?┬ź Er konnte sein Gl├╝ck kaum fassen! Sigrid von Stetten eine Novizin?!
Sie l├Ąchelte ihn vielsagend an. Doch noch ehe sie ihm eine Antwort geben konnte, ert├Ânte die Glocke. Sigrid lachte perlend und zog ihn hinter sich her. Perplex lie├č er sich von ihr f├╝hren. ┬╗Komm, die Rede der Dekanin! Die d├╝rfen wir auf keinen Fall verpassen! Und dann vergleichen wir unsere Stundenpl├Ąne, ja?┬ź
Sie sprudelte nur so vor Eifer und er? Er war zu benommen von ihrem bet├Ârenden Duft, ihren funkelnden Smaragden und dem verhei├čungsvollen Glitzern in ihren Augen, als dass er ihr h├Ątte widersprechen k├Ânnen? Warum sollte er auch? Diese Frau war pures Gold! Lasszive Kurven, ein aufreizendes L├Ącheln und ein vielversprechender Stammbaum! Mit ihr an seiner Seite standen ihm die T├╝ren zum Zentrum der Macht offen!

Perlendes Lachen drang aus dem Wohnzimmer und seine Mundwinkel zuckten. Sigrids Lachen w├╝rde er ├╝berall erkennen.
┬╗Na warte!┬ź, rief sie in gespielter Drohung. Darauf folgte beherztes Kinderlachen und ein entsetztes Aufkeuchen. Loke lachte. Sigrid scheuchte seinen kleinen Bruder sein mehr als zwanzig Minunten ├╝ber die Sofas. Elko sollte bereits seit einer Stunde im Bett liegen, aber er lie├č sich nicht von der blonden Sch├Ânheit dr├Ąngen. Nur unter Androhung w├╝ster Kinderbeschimpfungen hatte er eingewillgt, sich von ihr ins Bett bringen zu lassen. Doch der kleine Satansbraten war ihr trotz unz├Ąhliger Geschichten erneut entwischt. Loke wollte um nichts in Asgards Gefilden mit ihr tauschen. Wann immer er nach Hause kam, war er Opfer von Elkos Attacken. Der Bengel drohte und stampfte so lange w├╝tend mit dem kleinen Fu├č auf, bis er sich bereit erkl├Ąrte, ihm eine weitere Geschichte zu erz├Ąhlen oder einen Luftkampf mit gez├╝ckten, unsichtbaren Schwertern auszufechten.
Nun war Sigrid zu Elkos erkl├Ąrtem Opfer auserkoren worden. Zu Beginn seiner Sticheleien hatte sie noch hochn├Ą├čig die Nase ger├╝mpft. Doch die blonden Locken des F├╝nfj├Ąhrigen und sein ein├Ąscherndes L├Ącheln brachten ihre Verteidigung aus Ignoranz und gekr├Ąuseltem N├Ąschen abrupt zu Fall. Der Kleine brachte die holde Weiblichkeit bereits jetzt spielend zu Fall. Wer wei├č, was er in ein paar Jahren zu Stande brachte.
Sigrid war schlie├člich doch seinem Charme erlegen. Er brauchte nicht einmal seine m├Ąchtigste Waffe ÔÇô schmollend vorgeschobene Unterlippe mit gro├čen Kulleraugen ÔÇô einsetzen. Bei Sigrid reichte ein w├╝tend aufgestampfter Fu├č, dazu das wilde Schleudern goldblonder Locken und die kleine, w├╝tend emporgereckte Faust und schon geh├Ârte sie ihm. Loke wusste nicht, was er davon halten sollte, aber im Augenblick war es ihm reichlich egal. Wenn Sigrid sich sogar mit dem Satansbraten auseinandersetzte, schien es ihr mehr als ernst zu sein. Sie hatten sich erst heute Morgen kennengelernt, aber ihm kam es so vor, als w├╝rde er keine andere Frau brauchen, als Sigrid von Stetten.
Dass sie sich so hingebungsvoll mit seinem Bruder besch├Ąftigte, sollte ihm eigentlich zu denken geben. Auch wenn Elko erst f├╝nf Jahre alt war, zog er Frauen jeden Alters magisch an. Er bezauberte sie und der kleine Teufel war sich seiner Wirkung auf das weibliche Geschlecht durchaus bewusst. Die einzige Frau, die nicht auf seinen s├╝├čen Schmollmund hereinfiel, war ihre Mutter. F├╝nf Jahre alt oder nicht, Elko war ein Rivale seit er den ersten Atemzug gemacht hatte und Loke hasste ihn bereits jetzt daf├╝r. Aber genausowenig wie sich Sigrid seiner kindlichen Magie entziehen konnte, gelang es ihm, sich seinen W├╝nschen zu verweigern. Noch schob er es auf sein Alter, aber Loke wusste, dass da mehr dahinter steckte. Und es ging weit ├╝ber die gesunde Rivalit├Ąt zwischen Br├╝dern hinaus.
Das leise Kratzen der Terrassent├╝r riss ihn aus den br├╝tenden Gedanken und Sigrid stand mit Elko auf dem Arm in der T├╝r. Bezaubernd, wirklich. Loke verzog das Gesicht zu einem gezwungenen L├Ącheln. ┬╗Er ist v├Âllig ersch├Âpft, wo soll ich ihn hinbringen?┬ź, fl├╝sterte sie und gl├Ąttete sorgf├Ąltig die wilden Locken.
┬╗Na nicht zu mir┬ź, ├Ątzte Loke und stemmte sich aus dem gem├╝tlichen Sessel. Vater bevorzugte echte Polsterm├Âbel, auch im Freien. Er sa├č stundenlang hier drau├čen und starrte auf die goldgelben Felder, beobachtete die Arbeiter bei der Ernte und ersann neue M├Âglichkeiten, die st├Ąndige Nahrungsknappheit zu bew├Ąltigen. Eherne Ziele und durchaus l├Âblich, aber nicht, wenn es darum ging, seine Karriere voranzutreiben. Als Mitglied des Blutadels h├Ątte ihnen ein Ratssitz zugestanden. Nun gut, Loke seufzte und gab Sigrid mit einem Nicken zu verstehen, dass sie ihm folgen sollte. Die junge Adelige war genau die richtige Partie und sie strengte sich ├╝ber die Ma├čen an, ihm zu gefallen. Er h├Ątte ihr Elko auch abnehmen k├Ânnen, der Kleine wog trotz seines Alters bereits locker zwanzig Kilo und stach dank seiner Gr├Â├če unter Gleichaltrigen hervor. Aber da sich Sigrid so um ihn bem├╝ht hatte, konnte sie den Brocken auch die Treppen hinauf tragen.
Sigrid st├Âhnte und ├Ąchzte bereits unter dem ungewohnten Gewicht. Ein schlafendes Kind verlor jegliche K├Ârperspannung und hing tats├Ąchlich schlaff wie ein nasser Sack, zog beharrlich eine K├Ârperh├Ąlfte hinunter, w├Ąhrend man verzweifelt versuchte, mit der anderen K├Ârperh├Ąlfte dagegenzuhalten. Keine Chance. Selbst ge├╝bte Kindertr├Ąger h├Ątten bei Elkos Gewicht verzweifelt aufgegeben und um Hilfe ersucht, und dass Sigrid keinerlei Erfahrung im Umgang mit Kindern hatte, stand au├čer Frage. In ihren Kreisen hatte man Personal f├╝r so etwas.
Aber sie zuckte mit keiner Wimper und schleppte Elko beharrlich Stufe f├╝r Stufe hinauf. Loke lie├č sie vorangehen und quittierte ihr fast lautloses ├ächzen mit einem sp├Âttischen Schmunzeln. Sie musste ihn wahrlich als vielversprechende Partie ansehen, wenn sie sich seinetwillen so verausgabte. Elko hing d├Âsend ├╝ber ihrer Schulter. Doch statt einzuschlummern, ├Âffnete er pl├Âtzlich die Augen und verfestigte seinen Griff um Sigrids Hals. Loke hielt irritiert inne und musterte seinen Bruder argw├Âhnisch. Das kindliche Gesicht zog sich voller Trotz zusammen und er streckte ihm herausfordernd die Zunge entgegen. Dieser kleine Bastard! Sein Gesichtsausdruck sprach B├Ąnde. Er beanspruchte Sigrid doch tats├Ąchlich f├╝r sich! Loke verzog vor Emp├Ârung das Gesicht und l├Ąchelte ihn sanftm├╝tig an. Elko wollte provozieren, ihn zur Wei├čglut treiben. Wenn Loke jetzt auf seine Herausforderung eingegangen w├Ąre, h├Ątte der kleine Mistkerl genau das bekommen, was er wollte. Und Loke h├Ątte sich von Sigrid eine Zurechtweisung eingehandelt. F├╝r sie war Elko der Schw├Ąchere, er genoss sozusagen Welpenschutz. W├Ąhrend Loke als sein ├Ąlterer Bruder gef├Ąlligst auf ihn Acht zu geben hatte. Das der kleine Mistkerl keinerlei Schutz bedurfte und ganz gut mit seinen Reizen umzugehen wusste, ahnte Sigrid nicht. Noch nicht. Loke seufzte und ├Âffnete die T├╝r zu Elkos Zimmer. Kein Grund, sich mit dem kleinen Kerl anzulegen. Loke wusste, wo Sigrid die Nacht verbringen w├╝rde, wenn es nach ihm ging. L├Ąchelnd nickte er seinem Bruder zu und wies Sigrid den Weg.
Ihre Wangen waren vor Anstrengung ger├Âtet und sie keuchte bei jedem Schritt, doch sie war eine K├Ąmpferin. Verbissen presste sie die Lippen zu einem blutleeren Strich und biss sich durch die Anstrengung hindurch. Was f├╝r eine Frau!
Loke nickte ihr l├Ąchelnd zu, er w├╝rde ihr nicht helfen, denn wenn Sigrid nur ein Qu├Ąntchen von dem besa├č, was ihr Kampfgeist vermuten lie├č, w├╝rde sie ihn anfauchen und in die Schranken weisen. Dennoch wollte er seinem Bruder eins auswischen. Elko war immer noch damit besch├Ąftigt, sein L├Ącheln einzuordnen, als er z├Ąrtlich seinen Kopf nahm, dabei wie zuf├Ąllig Sigrids Hand ber├╝hrte und ihn zusammen mit ihr auf die wei├čen Laken bettete.
Elko starrte ihn irritiert an. Tja, mein Lieber, dachte Loke und grinste in sich hinein, ich beherrsche dieses Spiel schon ein wenig l├Ąnger als du. Pass auf und lerne! Aber Elko hatte offensichtlich keine Lust. Unverst├Ąndliche Worte murmelnd, drehte er sich, sobald er die Matratze ber├╝hrt hatte, auf die Seite. Er war halt doch nur ein kleiner Junge. Wohlwollend betrachtete er seinen Bruder und seufzte nachdenklich. Insgeheim mochte er die Rangeleien und das Revierverhalten. Keine Heuchelei, kein Intrigieren wie in seiner Ausbildung. Die Immatrikulation heute hatte ihm klar gemacht, dass das Leben an der Magischen Akademie genau das bedeuten w├╝rde. Intrigieren, bel├╝gen und betr├╝gen, den eigenen Vorteil so weit ausbauen, dass man die Kongruenz auf die hinteren Pl├Ątze verwies. Er wollte der Beste unter den Besten werden, und wenn diese R├╝cksichtslosigkeit, diese Falschheit, n├Âtig war, w├╝rde er genau das tun. Ohne sich um die Verluste zu scheren.
Elko hingegen war so erfrischend ehrlich. Wenn ihm etwas missfiel, wusste Loke sofort dar├╝ber Bescheid. Und wenn er etwas haben wollte, zeigte er unverhohlen Interesse daran. So wie an Sigrid. Nur die w├╝rde er nicht bekommen. Loke lachte leise ├╝ber die plumpen Versuche seines Bruders. Nur ein Junge, dachte er. Aber in ein paar Jahren w├╝rde er nicht mehr so kl├Ąglich scheitern. Da war sich Loke sicher.
Sigrid beugte sich ├╝ber den Jungen, zog ihm die Schuhe aus und deckte ihn gr├╝ndlich zu. Elko drehte sich noch einmal kurz zu ihr und verlangte nach einer Geschichte. Doch Sigrid sch├╝ttelte energisch den Kopf, setzte sich zu ihm und dr├╝ckte ihm einen Kuss auf die Stirn. ┬╗Morgen, mein Schatz┬ź, murmelte sie l├Ąchelnd und strich ihm z├Ąrtlich eine blonde Locke aus dem Gesicht. Elkos Blick suchte den seines Bruders und er glaubte, so etwas wie das Eingest├Ąndnis einer Niederlage zu erkennen. Gab der kleine Teufel etwa nach? Lokes Augenbrauen w├Âlbten sich erstaunt und ├╝ber die Z├╝ge des Kleinen glitt ein gewinnbringendes L├Ącheln. Als w├╝rde er ihm ┬╗Viel Spa├č!┬ź w├╝nschen.
Sigrid bemerkte den br├╝derlichen Blickkontakt und erhob sich grazil. ┬╗Gute Nacht, Elko.┬ź Ob sie erkannte, was zwischen ihnen lief? Diese kleinen Spielereien, die bereits jetzt nichts mehr mit geschwisterlichen Sticheleien gemein hatten? Jedenfalls lie├č sie sich nichts anmerken. Sie nahm ihn an der Hand und Loke lie├č sich von ihr aus dem Kinderzimmer ziehen. Aber nicht ohne Elko noch ein bissiges ┬╗Gute Nacht, Bruderherz!┬ź zuzuwerfen.
Leise schloss sie die T├╝r hinter ihm. Als sie sich zu ihm drehte, zog er sie an sich. Willig schmiegte sie sich in seine Umarmung und seufzte zufrieden. Sie war so versessen drauf, ihm zu gefallen, dass er nicht mal seine ├ťberredungsk├╝nste einsetzen musste. Er hatte sie nur an sich gezogen, um herauszufinden, wie ernst es ihr war. H├Ątte sie sich gegen ihn zur Wehr gesetzt, w├Ąre sein Kampfgeist geweckt worden. Die Jagd w├Ąre er├Âffnet gewesen.
Aber da sie sich willig an ihn schmiegte, war offensichtlich, was sie wollte und sie war nicht gewillt, die Chance mit Gepl├Ąnkel zu vertun. Sigrid hatte nur ein Ziel vor Augen: Macht. Und ihr war jedes Mittel recht. Zum Gl├╝ck verfolgten sie die gleichen Interessen. Ihr Bestreben nach Einfluss und Bedeutung stand dem seinen in nichts nach. Sie w├Ąren das perfekte P├Ąrchen, um die anstrengenden Jahre der Ausbildung gemeinsam zu ├╝berstehen. Und ihre weiblichen Reize waren nicht zu verachten.
Auf der einen Seite wollte er wissen, wie weit sie gehen w├╝rde, um ihr Ziel zu erreichen, und auf der anderen ÔÇŽ nun ja, er war Mitte zwanzig und sie war unbeschreiblich sch├Ân. Warum eine Scheinbeziehung eingehen, wenn sie beide genauso gut etwas Spa├č miteinander haben konnten. Ihr Haar floss ihr wie k├╝hles Wasser ├╝ber die Schultern und er wollte es anfassen, seine Nase in ihrem Duft baden und darin versinken. Auch wenn er auf der Terasse noch ├╝ber ihre Motive gegr├╝belt hatte, so war er doch noch immer ein Mann. Ein ziemlich junger Mann, vollgepumpt mit Testosteron. Und irgendwie wollte er auch sein Revier abstecken. Sein Bruder hatte sich von ihr abschleppen lassen, aber er war derjenige, der Sigrid abschleppte. Loke lachte innerlich ├╝ber diesen unzul├Ąnglichen Vergleich. Er brauchte sich ja wohl nicht mit einem F├╝nfj├Ąhrigen messen.
S├Ąuerlich presste er die Lippen aufeinander. Leider entsprach das nicht der Wahrheit, denn der Kleine war sein Bruder und er musste sich mit ihm messen, denn der Winzling verf├╝gte ├╝ber unerreichbaren Charme. Wurde Zeit, dass er sein Revier deutlich markierte und den kleinen Schei├čer in seine Grenzen wies. Elko hatte ihm zwar zu verstehen gegeben, dass er um Lokes Sieg wusste, aber das bedeutete noch lange nicht, dass er die Schlacht um Sigrid als erledigt betrachtete. Oh, wie er diese kleinen Spielereien liebte.
Energisch packte er Sigrid an den H├╝ften und zog sie an sich. Nicht nur, um seine Gedanken zu kl├Ąren. Er hatte lange genug gewartet. Sigrid quietschte erschrocken, warf sich ihm aber dennoch bereitwillig an die Brust. Sehr sch├Ân. Der Winzling lauschte bestimmt angestrengt hinter der T├╝r. Sollte er ruhig mitbekommen, welcher Art Ger├Ąusche er ihr entlockte. Loke glaubte nicht, dass er sie missverstehen w├╝rde. Immerhin waren ihre Eltern nicht gerade pr├╝de.
Sigrid st├╝tzte sich auf seiner Brust ab und kaute auf ihrer Unterlippe herum. Verbissen starrte sie auf die Kn├Âpfe seines dunklen Hemdes. Er trug noch immer die traditionelle, langweilige Kleidung der Akademie. Schlichtes Schwarz, dar├╝ber schwarze Roben. Den ├ťberhang hatten sie sich noch in den ehrw├╝rdigen Hallen entledigen k├Ânnen, doch um sich auch vom Rest der Tracht befreien zu k├Ânnen, war keine Zeit geblieben. Und so trug er ÔÇô genau wie Sigrid ÔÇô noch immer die dunkle Baumwolkleidung, bestehend aus einem einfachen Hemd und einer weiten Hose. Nun, er hatte nicht vor, Sigrid lange in dieser Kleidung zu belassen.
Z├Ąrtlich schob er seinen Zeigefinger unter ihr Kinn und zwang sie mit sanftem Druck, den Kopf zu heben. Ihr lasziver Augenaufschlag brachte ihn fast um den Verstand. Ein verf├╝hrerisches Rot zierte ihre Wangen, ob von Anstrengung oder Erregung konnte er nicht mehr feststellen und es war ihm auch schlichtweg egal. Seine andere Hand schob sich in ihren R├╝cken, tiefer. Mit sanften Druck rieb er ├╝ber ihren Stei├č und sie reagierte prompt. Gen├╝sslich schloss sie die Augen, warf den Kopf in den Nacken und seufzte.
Makellose, cremigwei├če Haut, die nur darauf wartete, von ihm markiert zu werden. Erregt kaute er auf seiner Unterlippe herum, um den Anblick noch einen Moment l├Ąnger genie├čen zu k├Ânnen. Ihr Schl├╝sselbein zeichnete sich deutlich ab und forderte ihn heraus. Loke holte tief Luft und beugte sich zu ihr. Langsam glitt er mit der Zungenspitze ├╝ber den harten Knochen bis zu der weichen Halsbeuge und hinterlie├č eine feuchte Spur. Sigrid erschauerte in seinen Armen und seufzte wohlig.
┬╗Gef├Ąllt dir das?┬ź, hauchte er an ihrem Hals. Sigrid blieb keine Zeit f├╝r eine Antwort. Loke grub die Z├Ąhne in die weiche Stelle direkt unter ihrer Halsbeuge.
┬╗Ahhhh┬ź, st├Âhnte sie und schlang automatisch eines ihrer schlanken Beine um seinen Oberschenkel. Loke biss die Z├Ąhne zusammen, als sie seine empfindliche Stelle ber├╝hrte. Nein, nicht nur ber├╝hrte, sie rieb sich bewusst an ihm. Verdammtes Weibsbild! Ihre Ber├╝hrungen, ihn anschmiegsames Verhalten und das Wissen um den Sieg ├╝ber einen l├Ącherlichen F├╝nfj├Ąhrigen lie├čen ihn nicht kalt. Er hatte gewonnen und sein Preis gab T├Âne der h├Âchsten Verz├╝ckung von sich. Loke lachte leise und grub seine Z├Ąhne ein St├╝ckchen weiter oben in ihren Hals. Dabei saugte er fest an ihr, damit sie morgen fr├╝h am Fr├╝hst├╝ckstisch einen Schal tragen oder sich mit Elkos qu├Ąlenden Fragen nach dem Ursprung dieser Flecke herumschlagen musste. Vielleicht wurde die kleine Kr├Âte Sigrid irgendwann l├Ąstig.
┬╗Wo ist dein Zimmer?┬ź, keuchte Sigrid und hob den Kopf. Sie schlang die Arme um seinen Nacken und beugte leicht den Kopf, die Lider zu verf├╝hrerischen Schlitzen gesenkt, die vollen Lippen einladend ge├Âffnet. Loke keuchte erregt auf. Sein Herz trommelte ihm gegen die Brust und sein Magen und eine Region deutlich tiefer zogen sich schmerzhaft zusammen. Ihr Bein presste ihn an sie und ihr verf├╝hrerischer Mund verlangte geradezu danach, von ihm erobert zu werden. Noch widersetzte er sich dieser drohenden Niederlage, der er sp├╝rte ihr L├Ącheln mehr, als das er es sah. Just als ihre Mundwinkel zuckten, hatte er sich geschlagen gegeben und senkte seinen Mund auf ihre Lippen.
Gierig schob er sich in sich, eroberte, was ihm bereits geh├Ârte. Doch er fand, dass ein einfacher Sieg nicht ausreichte. Er musste ihr beweisen, dass er der bessere Bruder war, das sie ihm geh├Ârte und er wollte sie ├╝berall kennzeichnen. Ihre Lippen sollten von seinen K├╝ssen gl├╝chen, rote Male seiner Eroberung sollten ihren Hals verzieren und er wollte daf├╝r sorgen, dass sie nicht einmal mehr schmerzfrei sitzen konnte. In seinen K├╝ssen lag keine Liebe, sondern nur blanke Eroberungslust und die Leidenschaft des Siegers. Sigrid geh├Ârte ihm und er wollte sie mit jeder Faser seines K├Ârpers besitzen und jeder – vor allem die kleine Kr├Âte – sollte morgen merken, wer ihr Lust bereitet hatte, wer daf├╝r verantwortlich war, dass sie sich ├╝bern├Ąchtigt an einer Tasse Tee festhielt, dass sie kaum noch sitzen konnte.
Hastig hob er sie an und Sigrid reagierte prompt, schlang gierig ihren anderen Schenkel um seine H├╝ften und lie├č sich von ihm in sein Zimmer tragen, ohne den Kuss auch nur f├╝r eine Sekunde zu unterbrechen. Loke kannte den Weg, er w├╝rde ihn sogar im Schlaf finden und sie f├╝hlte sich so gut an, dass er absolut keine Veranlassung sah, Luft zu holen und ihr auch nur einen Moment Pause zu g├Ânnen.
Hastig tastete er nach der Klinke, schob seine Zimmert├╝r auf und schloss sie mit seinem Fu├č. Fehlte noch, dass seine Eltern oder sein Bruder hier auftauchten. ┬╗Moment┬ź, murmelte er gegen ihre Lippen und unterbrach den wilden Reign ihrer Lippen entgegen seiner W├╝nsche. Hastig l├Âste er sich von ihr, tastete nach dem Schl├╝ssel und drehte ihn zweimal herum. Nur, um ganz sicher zu gehen.

Sigrid lachte leise und drehte sich einmal um die eigene Achse, sah sich in seinem Zimmer um. Er wusste, dass es mit seiner schlichten Ausstattung, den vielen B├╝chern, dem gut sortierten Schreibtisch unter dem Fenster und dem gro├čen Bett nicht ihren Vorstellungen einer angemessenen R├Ąumlichkeit entsprach. In ihren Kreisen n├Ąchtigte man in Himmelbetten, dinnierte an eherenen Tafeln und arbeitete in gro├čen Bibliotheken. Wenn seine Eltern sich der ├╝blichen Lebensweise des Blutadels angeschlossen h├Ątten, w├╝rde er in wie Sigrid in einer noblen Stadtvilla leben, statt hier auf dem Land zu hausen. Am n├Âtigen Kleingeld mangelte es den J├Ârds jedenfalls nicht.
┬╗Es ist nicht das, was du gewohnt sein musst┬ź, murmelte er entschuldigend und deutete auf die k├Ąrgliche Einrichtung. Selbst gegen die Errungenschaften moderner Midgard-Technik hatten sich seine Eltern ausgesprochen. Er besa├č weder einen dieser Drehst├╝hle noch einen Computer. Und das, obwohl sie Zugang zu dieser Technik hatten. Aber nein, seine Eltern liebten die Eleganz der Schlichtheit. Loke war nahe daran, sich zu ├╝bergeben. Wie konnten sie sich so von der Zukunft abschotten?
Sigrid hingegen ├╝berging seine Entschuldigung mit einem perlenden Lachen. ┬╗Ich mag diese Eleganz, diese Reduktion auf die klassischen Formen?┬ź
┬╗Machst du dich etwa ├╝ber mich lustig?┬ź Irritiert wanderte seine Augenbraue nach oben und er vergrub die H├Ąnde in den Hosentaschen. Ein weiterer Vorteil dieser Kleidung. Zum einen verbarg sie die deutliche W├Âlbung unter dem Hosenbund, zum anderen boten die weiten Taschen gen├╝gend Platz, sich darin zu verstecken. Sigrid quittierte sein Gebaren mit perlendem Lachen. Wohlige Schauer jagten ihm beim Klang ihrer Stimme ├╝ber den R├╝cken. Dieses Lachen hatte eine unnat├╝rliche Affektiertheit an sich, doch es verfehlte nicht seine Wirkung.
┬╗Mitnichten.┬ź Mit wiegenden H├╝ften kam sie auf ihn zu, schmiegte sich an ihn und leckte schwer atmend ├╝ber seine Unterlippe. Loke beobachtete ihre Bewegungen, verlor sich in der puren Erotik ihrer gesenkten Lider. Als sie seine Unterlippe streifte, beugte er sich leicht vor und kam ihrem Kuss entgegen. Leise st├Âhnend schob sie ihre Zunge in seinen Mund und zog ihn enger an sich. Ihre Hand kraulte das kurze Haar in seinem Nacken, w├Ąhrend die Finger ihrer anderen Hand durch sein l├Ąngeres Deckhaar glitten.
┬╗Mh, so seidig weich und schwarz wie die Nacht┬ź, murmelte sie und knabberte z├Ąrtlich an seiner Unterlippe.
┬╗Magst du es?┬ź
Sigrid nickte und ihre Nase streifte dabei seine Lippen. Hastig setzte ihr einen Kuss auf ihren Nasenr├╝cken. ┬╗Sehr.┬ź
┬╗Soll ich es wachsen lassen?┬ź
Sigrid lachte. ┬╗Oh ja, ich mag dein Haar, es ist so anders als das deines Bruders.┬ź
Warum erw├Ąhnte sie jetzt seinen Bruder? Er hielt inne und dr├╝ckte sie etwas von sich, so dass er ihr in die Augen sehen und ihre Reaktion studieren konnte. ┬╗Was hat der kleine Schei├čer damit zu tun?┬ź Sein Ton fiel ungew├Âhnlich scharf aus. Er wollte in dieser Situation ganz bestimmt nicht an Elko erinnert werden. Sigrid runzelte verwirrt die Stirn.
┬╗Ich verstehe nicht ÔÇŽ┬ź
Loke verzog genervt das Gesicht. ┬╗Was willst du, Sigrid?┬ź, wetterte er drauf los. ┬╗Du willst doch sicher nicht mit mir schlafen, weil ich so ein sonniges Gem├╝t habe? Und um die kleine Kr├Âte hast du dich doch auch nur gek├╝mmert, um mir zu gefallen, oder? Wir wissen beide, was du willst und was ich will.┬ź Loke hatte ungewollt einen hitzigen Ton angeschlagen. Der Abend zehrte an seinem ohnehin labilen Nervenkost├╝m und Elkos st├Ąndiges Geschrei hatte nicht gerade zur Besserung seiner Laune beigetragen. Als die kleine Kr├Âte endlich im Bett war, h├Ątte er vor Freude beinahe lauf aufgeschrien. Endlich Zeit, sich den wirklich wichtigen Dingen zu widmen. Er schlang die Arme um Sigrids H├╝ften und dr├╝ckte sie so an sich, dass sie die deutliche W├Âlbung in seiner Hose sp├╝ren konnte. Sie keuchte ├╝berrascht auf. Ihre Augen weiteten sich vor Erstaunen, nur um ihn sp├Ąter forschend zu mustern.
┬╗Was will ich denn deiner Meinung nach?┬ź Sie rieb ihre H├╝fte an seiner W├Âlbung. Gen├╝sslich biss sie sich auf die Unterlippe und leckte zur Bekr├Ąftigung ihres Vorhabens noch einmal ├╝ber die volle W├Âlbung.
Loke keuchte ├╝berrascht auf und schluckte hart. Das Denken fiel ihm wirklich nicht leicht, wenn sie seinen gesamten Blutkreislauf Richtung S├╝dpol schickte. Sigrid lachte perlend, doch die Affektiertheit konnte sie nicht verbergen. ┬╗Mich, Sex und Macht?┬ź Keuchend starrte er auf ihre Unterlippe, das schmerzhafte Pochen am S├╝dpol ignorierend. Leider war das leichter gedacht, als getan und Sigrid leckte sich immer wieder ├╝ber die Lippen, als w├Ąre er fl├╝ssige Schokolade, die nur darauf wartete, von ihr vernascht zu werden. Halt, nein. Er war war keine Schokolade. Eher cremiges Vanille-Eis. Loke keuchte, verdammt, bitte keine Assoziationen zu irgendetwas Leckbarem.
Sigrid quittierte sein Starren mit Gel├Ąchter. Diesmal bem├╝hte sie sich nicht, ihre Haltung zu verbergen. ┬╗Dein Erbe verspricht gro├čen Einfluss und du hast die besten Chancen auf die Ehre des Hammertr├Ągers. Du bist der Erstgeborene, dein Bruder sollte dir also nicht im Weg stehen. Und meine Familie k├Ânnte dir gro├če Vorteile verschaffen.┬ź
Loke keuchte. ┬╗Mitnichten. Die Wahl geht ausschlie├člich vom G├Âttlichen selbst aus.┬ź Sigrid l├Ąchelte. ┬╗Aber noch nie wurde jemand ohne Einfluss erw├Ąhlt. Jeder Tr├Ąger hatte eine einflussreiche Familie und es wird gern gesehen, wenn bereits eine Partnerschaft zur Stabilisierung der Pers├Ânlichkeit besteht. Hammertr├Ąger zu sein ist kein leichter Job.┬ź
Er kannte die Berufsbeschreibung ausnehmend gut, kein geringeres Ziel verfolgte er seit seiner Jugend. Wann immer er konnte, hatte er Zeit bei Verwandten im Zentrum der Stadt verbracht und in seiner Kindheit war er heimlich ins Ratsgeb├Ąude vorgedrungen und hat die Sitzungen belauscht. Wenn er sich richtig erinnerte, konnte er Sigrids Vater, Lord von Stetten, sogar ein Gesicht zuordnen. Ein freundlicher, alter Herr mit der Verschlagenheit einer Spitzmaus. Loke l├Ąchelte in sich hinein, Sigrid konnte ihr Erbe genauso wenig verbergen wie er. Und ihre Ambitionen noch viel weniger.
┬╗Was also schl├Ągst du vor?┬ź Er beugte sich langsam vor und vergrub seine Nase in ihrem duftenden Meer aus goldenen Locken. Oh, ihm war praktisch egal, was sie vorschlug, Hauptsache sie machte die Beine f├╝r ihn breit. Und nur f├╝r ihn. Pah, was ein Gl├╝ck, dass Elko noch ein Kind war. Er konnte sie vielleicht mit seinen Spielchen und dem einnehmenden Lachen um den Finger wickeln. Aber er w├╝rde ihr nie geben k├Ânnen, was sie tats├Ąchlich brauchte. Noch nicht. Loke grub seine Z├Ąhne unerwartet heftig in ihre Halsbeuge, doch Sigrid schrie nicht. Sie seufzte begehrlich auf und rieb sich erneut an ihm.
┬╗Eine Verbindung unserer H├Ąuser zu deinem und meinem Vorteil┬ź, st├Âhnte sie und warf den Kopf in den Nacken.
┬╗Weiter┬ź, fl├╝sterte Loke und stillte die reizvolle R├Âtung seiner Bisse mit sanften K├╝ssen.
┬╗Au├čerdem┬ź, keuchte Sigrid, ┬╗m├Âchte ich, dass du auf gar keinen Fall aufh├Ârst. Nicht jetzt, nicht hier, niemals. Ich will Nachkommen, Loke J├Ârd!┬ź Erschrocken hielt er inne und hob den Kopf.
┬╗Du willst Kinder?┬ź Seine Erregung pochte frustriert auf. Sigrid nickte.
┬╗Nicht jetzt, die Hornochse!┬ź Gespielt trommelte sie ihm auf die Brust und zog ihn wieder an sich. ┬╗Nicht aufh├Âren, verstanden!┬ź Loke nickte paralysiert und wandte sich wieder ihrer Halsbeuge zu. ┬╗Irgendwann einmal, wenn wir mit der Ausbildung durch sind und du Hammertr├Ąger bist, dann will ich Kinder. Ich will Blutadel werden!┬ź
Loke h├Ątte sich gesch├╝ttelt, vor Ekel, vor Berechnung. Aber Sigrid sprach nur das aus, was er bereits wusste. Und er hatte nichts dagegen. Kinder? Nat├╝rlich wollte sie das. Ihre Familie besa├č zwar Macht und Einfluss, aber ihnen fehlte das Erbe. Eine Verbindung mit den J├Ârds w├╝rde diese Makel ausgleichen. Sigrids Kinder h├Ątten das Erbe Thors und waren damit potentielle Hammertr├Ąger. F├╝r diese Ehre w├╝rde sie Einiges in Kauf nehmen. Sogar jemanden wie ihn.
Sigrid seufzte und stie├č ihre H├╝fte heftig gegen seine H├Ąrte. Okay, offensichtlich fiel ihr dieser Part nicht sonderlich schwer. Loke lachte und hob sie schwungvoll auf seine Arme. ┬╗Klingt nach einer f├╝r mich lohnenden Abmachung.┬ź Sigrid beugte sich vor und k├╝sste ihn hingebungsvoll. ┬╗F├╝r uns beide!┬ź