Eine Kurzgeschichte von Danara DeVries

Alle Rechte dieser Kurzgeschichte liegen bei Danara DeVries.

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Mit ihren kleinen Türmchen, dem prächtigen Portal und den vielfarbigen Bundglasfenstern glich die Magische Akademie eher einem verwunschenen Märchenschloss denn einer ehrwürdigen Lehranstalt. Das graue Gemäuer harmonierte perfekt mit dem handgemachten Glas, setzte es regelrecht in Szene. Die morgendlichen Sonnenstrahlen fielen perfekt auf die gläsernen Einsätze der Scheiben und reflektierten das Licht in allen nur erdenklichen Farbnuancen. Gebannt bewunderte er das Schauspiel, verfolgte fasziniert das sich ändernde Farbspektrum, je weiter die Sonne über die Hügel Asgards kroch. Irgendwann kniff er von der Vielfältigkeit der Farben die Augen zusammen und wandte sich ab. Die Helligkeit brannte in seinen Augen. Tränen liefen über seine Wangen und er musste heftig blinzeln, um überhaupt etwas erkennen zu können.
»Na so schlimm wird es schon nicht werden.« Loke Jörd blinzelte und fuhr zu der Frau herum, die seine Reaktion unverfroren bewertet hatte. Ihr Hochmut schnitt in sein Bewusstsein und auch wenn er sich gerade vor der schmerzhaften Reflexion der morgendlichen Sonne abgewandt hatte, so gab ihr das noch lange nicht das Recht, ihn in solch einen herablassenden Ton anzusprechen.
Irritiert starrte er sie an. »Was meinen Sie?« Unbewusst ahmte er ihren Tonfall nach. Natürlich wusste er, was sie gemeint hatte, aber er würde ihr nicht die Genugtuung einer Erklärung geben. Sollte sie doch denken, was sie wollte. Heute war der Tag seiner Immatrikulation. Jeder, der hier stand und geblendet das Spiel der Farben beobachtete, war ein grüner Anfänger. Seine Mutter hatte ihn vor dem Schauspiel gewarnt. Er solle möglichst nicht wie ein Tölpel dort stehen bleiben und starren. Doch Loke hatte ihren Rat in den Wind geschlagen und sich der Faszination hingegeben. Damit war er für jeden gut sichtbar als Novize erkennbar. Nur sie blieben stehen, alle anderen – ältere Jahrgänge und Dozenten – hasteten ungerührt an ihm vorbei und waren mit ihren Gedanken bereits bei Stundenplänen, Vorlesungen und dem heutigen Speiseplan beschäftigt.
Ihr Lachen löste die bissige Antwort, die ihm bereits auf der Zunge lag, auf und verleitete seine Mundwinkel zu einem amüsierten Zucken. Das blonde Haar wallte ihr in atemberaubenden Locken über die schmalen Schultern und ihre grünen Augen stellten die farbenprächtige Schönheit der Buntglasfenster in den Schatten. Das Lachen breitete sich über ihr Gesicht aus und sie warf die glänzenden Massen in den Nacken. »Du bist neu hier, nehme ich an?« Sie ließ ihre Hand durch die blonden Wogen gleiten und schüttelte es lässig aus. Loke hatte noch nie solches Haar gesehen, als hätte es ein Eigenleben. Liebkosend schlängelte es sich um ihren Arm, floss über die glatte Handfläche.
Unfähig, sich von diesem Anblick zu lösen, konnte er nur ein schwaches Nicken erwidern. Bei Odins Auge, was würde er geben, nur ein einziges Mal seine Finger in die goldenen Massen zu tauchen.
»Ich auch!«, perlte sie und löste ihre Hand aus den schlängelnden Massen. Medusa!, schoss es ihm durch den Kopf. Das war das Haar einer Medusa! Nur das es nicht rot, sondern blond war. Blonde Unschuld reichte ihm eine schmale Hand und er starrte stumpfsinnig auf die eleganten Finger.
»Sigrid von Stetten!« Amüsiert wackelte sie mit den Fingern und er hob den Kopf. Die grünen Augen musterten ihn mit einer Spur Herablassung, aber keineswegs feindselig, eher aufmerksam und interessiert. Loke verlor sich beinahe in diesen funkelnden Smaragden.
»Loke Jörd«, stotterte er und ergriff die Gelegenheit, die Hand zu küssen, mit der sie durch die fließenden Wogen ihrer Locken geglitten war. Hastig beugte er sich über ihre schlanken Finger und fuhr sacht mit den Lippen über die straffe Haut. Genüsslich schloss er die Augen und inhalierte den blumigen Duft. Ein Hauch Rosen versetzt mit einer Spur Koriander. Vermutlich war sie noch am Morgen durch die Rosengärten ihrer Familie gestreift. Die von Stettens waren bekannt für ihre Rosenzucht und für den Sitz im Rat natürlich. Natürlich hätte Sigrid auch einer anderen Familie mit ähnlich klingendem Namen angehören können, doch Loke kannte jedes der zwölf Ratsmitglieder und Sighurt von Stetten war ihm kein Unbekannter. Er war vielleicht nicht der Vorsitzende, aber durchaus so wortgewandt, dass er in der Öffentlichkeit immer wieder mit seinem schwungvollen Reden auffiel. Selbst wenn Loke sich nicht sicher gewesen wäre, die Art, wie sie den Namen ihrer Familie aussprach, verriet ihm, dass sie es drauf anlegte, ob er wusste, wer sie war, wer ihr Vater war. Loke lächelte. Nun, sie war nicht dumm. Vielleicht bemerkte sie auch seinen Namen.
»Jörd, so, so«, murmelte sie und er spürte, wie sie unter seinem Kuss vibrierte. »Die Jörds mit dem Anwesen vor der Stadt?«
Loke erstarrte. Mit ihrem Rosenduft konnte er nicht mithalten, vermutlich stank er regelrecht nach Kartoffeln. Sein Vater strebte neuerdings den Anbau dieser Frucht an, sie solle wohlschmeckend und leicht bekömmlich sein. Loke hasste sie! Wie konnte er nur etwas derart Widerliches essen! Man musste in der Erde wühlen, um die angeblich so köstlichen Früchte zu ernten. Dreckig, ekelhaft und unter seiner Würde!
»Ja, genau diese Jörds!« Er hasste seine Familie! Statt in einer edlen Stadtvilla ihrem Stand angemessen zu leben, hatten sich seine Eltern lieber auf dem Land verkrochen. Wie sollte er da je Kontakt zu den höheren Töchtern knüpfen? Er brauchte eine lohnende Verbindung. Von Stettens hübsche Tochter käme ihm da gerade recht, zumal sie nicht von schlechten Eltern war. Er wagte einen schüchtern Blick über ihren Handrücken, hob leicht den Kopf und erwiderte erfreut ihr Lächeln. Da war keine Verachtung. Nun, vielleicht ein winziger Zug Hochnäsigkeit und Herablassung, aber das machte sie nur attraktiver. Zumal ihre Familie einen Sitz im Rat hatte. Sie konnte sich diese Herablassung leisten. Loke jedenfalls war hocherfreut, keine Verachtung in ihren funkelnden Smaragden zu erkennen. Nur … Lust?
Verunsichert erhob er sich und hielt ihre Hand fest. Würde er sich an seine gute Erziehung erinnern, hätte er sie jetzt losgelassen. Aber er konnte nicht. Seine Augen verfingen sich erneut in den strahlenden Smaragden und er vergaß darüber hinaus, dass er noch immer ihre Hand hielt. Seine Brust krallte sich schmerzhaft zusammen. Ob sie ihn verzauberte. Bei diesem intensiven Grün würde es für sie eine Leichtigkeit sein, Männer in ihren bann zu ziehen. »Bist du eine Magierin?«, stammelte er nervös und atmete tief durch. Er hatte gar nicht gemerkt, dass er während des Starrens automatisch die Luft angehalten hatte. Pfeifend entwich ihm die Atemluft.
Sigrid lachte perlend und erwiderte seinen feuchten Händedruck. Bei Odin, was war nur mit ihm los? Er hatte sich doch sonst immer unter Kontrolle! Aber seine Körperfunktionen spielten völlig verrückt. Er schwitzte wie ein Hochleistungssportler, sein Herz hämmerte heftig gegen die Innenseite seines Brustkorbes und wenn es nur noch ein klein wenig mehr an Geschwindigkeit zulegte, würde es aus seiner Brust hüpfen, direkt in ihren Schoss.
»Nein!« Sie hob seine Hand in ihre Lippen und platzierte hauchte zärtlich über seine empfindlichen Knöchel. »Aber vielleicht werde ich das.« Sie hob lassziv die Lider und funkelte ihn herausfordernd an. Sein Herz setzte einen entsetzten Hüpfer aus, nur um wenige Sekunden später glücklich weiterzuhoppsen.
»Heißt das, du bist eine Novizin?« Er konnte sein Glück kaum fassen! Sigrid von Stetten eine Novizin?!
Sie lächelte ihn vielsagend an. Doch noch ehe sie ihm eine Antwort geben konnte, ertönte die Glocke. Sigrid lachte perlend und zog ihn hinter sich her. Perplex ließ er sich von ihr führen. »Komm, die Rede der Dekanin! Die dürfen wir auf keinen Fall verpassen! Und dann vergleichen wir unsere Stundenpläne, ja?«
Sie sprudelte nur so vor Eifer und er? Er war zu benommen von ihrem betörenden Duft, ihren funkelnden Smaragden und dem verheißungsvollen Glitzern in ihren Augen, als dass er ihr hätte widersprechen können? Warum sollte er auch? Diese Frau war pures Gold! Lasszive Kurven, ein aufreizendes Lächeln und ein vielversprechender Stammbaum! Mit ihr an seiner Seite standen ihm die Türen zum Zentrum der Macht offen!

Perlendes Lachen drang aus dem Wohnzimmer und seine Mundwinkel zuckten. Sigrids Lachen würde er überall erkennen.
»Na warte!«, rief sie in gespielter Drohung. Darauf folgte beherztes Kinderlachen und ein entsetztes Aufkeuchen. Loke lachte. Sigrid scheuchte seinen kleinen Bruder sein mehr als zwanzig Minunten über die Sofas. Elko sollte bereits seit einer Stunde im Bett liegen, aber er ließ sich nicht von der blonden Schönheit drängen. Nur unter Androhung wüster Kinderbeschimpfungen hatte er eingewillgt, sich von ihr ins Bett bringen zu lassen. Doch der kleine Satansbraten war ihr trotz unzähliger Geschichten erneut entwischt. Loke wollte um nichts in Asgards Gefilden mit ihr tauschen. Wann immer er nach Hause kam, war er Opfer von Elkos Attacken. Der Bengel drohte und stampfte so lange wütend mit dem kleinen Fuß auf, bis er sich bereit erklärte, ihm eine weitere Geschichte zu erzählen oder einen Luftkampf mit gezückten, unsichtbaren Schwertern auszufechten.
Nun war Sigrid zu Elkos erklärtem Opfer auserkoren worden. Zu Beginn seiner Sticheleien hatte sie noch hochnäßig die Nase gerümpft. Doch die blonden Locken des Fünfjährigen und sein einäscherndes Lächeln brachten ihre Verteidigung aus Ignoranz und gekräuseltem Näschen abrupt zu Fall. Der Kleine brachte die holde Weiblichkeit bereits jetzt spielend zu Fall. Wer weiß, was er in ein paar Jahren zu Stande brachte.
Sigrid war schließlich doch seinem Charme erlegen. Er brauchte nicht einmal seine mächtigste Waffe – schmollend vorgeschobene Unterlippe mit großen Kulleraugen – einsetzen. Bei Sigrid reichte ein wütend aufgestampfter Fuß, dazu das wilde Schleudern goldblonder Locken und die kleine, wütend emporgereckte Faust und schon gehörte sie ihm. Loke wusste nicht, was er davon halten sollte, aber im Augenblick war es ihm reichlich egal. Wenn Sigrid sich sogar mit dem Satansbraten auseinandersetzte, schien es ihr mehr als ernst zu sein. Sie hatten sich erst heute Morgen kennengelernt, aber ihm kam es so vor, als würde er keine andere Frau brauchen, als Sigrid von Stetten.
Dass sie sich so hingebungsvoll mit seinem Bruder beschäftigte, sollte ihm eigentlich zu denken geben. Auch wenn Elko erst fünf Jahre alt war, zog er Frauen jeden Alters magisch an. Er bezauberte sie und der kleine Teufel war sich seiner Wirkung auf das weibliche Geschlecht durchaus bewusst. Die einzige Frau, die nicht auf seinen süßen Schmollmund hereinfiel, war ihre Mutter. Fünf Jahre alt oder nicht, Elko war ein Rivale seit er den ersten Atemzug gemacht hatte und Loke hasste ihn bereits jetzt dafür. Aber genausowenig wie sich Sigrid seiner kindlichen Magie entziehen konnte, gelang es ihm, sich seinen Wünschen zu verweigern. Noch schob er es auf sein Alter, aber Loke wusste, dass da mehr dahinter steckte. Und es ging weit über die gesunde Rivalität zwischen Brüdern hinaus.
Das leise Kratzen der Terrassentür riss ihn aus den brütenden Gedanken und Sigrid stand mit Elko auf dem Arm in der Tür. Bezaubernd, wirklich. Loke verzog das Gesicht zu einem gezwungenen Lächeln. »Er ist völlig erschöpft, wo soll ich ihn hinbringen?«, flüsterte sie und glättete sorgfältig die wilden Locken.
»Na nicht zu mir«, ätzte Loke und stemmte sich aus dem gemütlichen Sessel. Vater bevorzugte echte Polstermöbel, auch im Freien. Er saß stundenlang hier draußen und starrte auf die goldgelben Felder, beobachtete die Arbeiter bei der Ernte und ersann neue Möglichkeiten, die ständige Nahrungsknappheit zu bewältigen. Eherne Ziele und durchaus löblich, aber nicht, wenn es darum ging, seine Karriere voranzutreiben. Als Mitglied des Blutadels hätte ihnen ein Ratssitz zugestanden. Nun gut, Loke seufzte und gab Sigrid mit einem Nicken zu verstehen, dass sie ihm folgen sollte. Die junge Adelige war genau die richtige Partie und sie strengte sich über die Maßen an, ihm zu gefallen. Er hätte ihr Elko auch abnehmen können, der Kleine wog trotz seines Alters bereits locker zwanzig Kilo und stach dank seiner Größe unter Gleichaltrigen hervor. Aber da sich Sigrid so um ihn bemüht hatte, konnte sie den Brocken auch die Treppen hinauf tragen.
Sigrid stöhnte und ächzte bereits unter dem ungewohnten Gewicht. Ein schlafendes Kind verlor jegliche Körperspannung und hing tatsächlich schlaff wie ein nasser Sack, zog beharrlich eine Körperhälfte hinunter, während man verzweifelt versuchte, mit der anderen Körperhälfte dagegenzuhalten. Keine Chance. Selbst geübte Kinderträger hätten bei Elkos Gewicht verzweifelt aufgegeben und um Hilfe ersucht, und dass Sigrid keinerlei Erfahrung im Umgang mit Kindern hatte, stand außer Frage. In ihren Kreisen hatte man Personal für so etwas.
Aber sie zuckte mit keiner Wimper und schleppte Elko beharrlich Stufe für Stufe hinauf. Loke ließ sie vorangehen und quittierte ihr fast lautloses Ächzen mit einem spöttischen Schmunzeln. Sie musste ihn wahrlich als vielversprechende Partie ansehen, wenn sie sich seinetwillen so verausgabte. Elko hing dösend über ihrer Schulter. Doch statt einzuschlummern, öffnete er plötzlich die Augen und verfestigte seinen Griff um Sigrids Hals. Loke hielt irritiert inne und musterte seinen Bruder argwöhnisch. Das kindliche Gesicht zog sich voller Trotz zusammen und er streckte ihm herausfordernd die Zunge entgegen. Dieser kleine Bastard! Sein Gesichtsausdruck sprach Bände. Er beanspruchte Sigrid doch tatsächlich für sich! Loke verzog vor Empörung das Gesicht und lächelte ihn sanftmütig an. Elko wollte provozieren, ihn zur Weißglut treiben. Wenn Loke jetzt auf seine Herausforderung eingegangen wäre, hätte der kleine Mistkerl genau das bekommen, was er wollte. Und Loke hätte sich von Sigrid eine Zurechtweisung eingehandelt. Für sie war Elko der Schwächere, er genoss sozusagen Welpenschutz. Während Loke als sein älterer Bruder gefälligst auf ihn Acht zu geben hatte. Das der kleine Mistkerl keinerlei Schutz bedurfte und ganz gut mit seinen Reizen umzugehen wusste, ahnte Sigrid nicht. Noch nicht. Loke seufzte und öffnete die Tür zu Elkos Zimmer. Kein Grund, sich mit dem kleinen Kerl anzulegen. Loke wusste, wo Sigrid die Nacht verbringen würde, wenn es nach ihm ging. Lächelnd nickte er seinem Bruder zu und wies Sigrid den Weg.
Ihre Wangen waren vor Anstrengung gerötet und sie keuchte bei jedem Schritt, doch sie war eine Kämpferin. Verbissen presste sie die Lippen zu einem blutleeren Strich und biss sich durch die Anstrengung hindurch. Was für eine Frau!
Loke nickte ihr lächelnd zu, er würde ihr nicht helfen, denn wenn Sigrid nur ein Quäntchen von dem besaß, was ihr Kampfgeist vermuten ließ, würde sie ihn anfauchen und in die Schranken weisen. Dennoch wollte er seinem Bruder eins auswischen. Elko war immer noch damit beschäftigt, sein Lächeln einzuordnen, als er zärtlich seinen Kopf nahm, dabei wie zufällig Sigrids Hand berührte und ihn zusammen mit ihr auf die weißen Laken bettete.
Elko starrte ihn irritiert an. Tja, mein Lieber, dachte Loke und grinste in sich hinein, ich beherrsche dieses Spiel schon ein wenig länger als du. Pass auf und lerne! Aber Elko hatte offensichtlich keine Lust. Unverständliche Worte murmelnd, drehte er sich, sobald er die Matratze berührt hatte, auf die Seite. Er war halt doch nur ein kleiner Junge. Wohlwollend betrachtete er seinen Bruder und seufzte nachdenklich. Insgeheim mochte er die Rangeleien und das Revierverhalten. Keine Heuchelei, kein Intrigieren wie in seiner Ausbildung. Die Immatrikulation heute hatte ihm klar gemacht, dass das Leben an der Magischen Akademie genau das bedeuten würde. Intrigieren, belügen und betrügen, den eigenen Vorteil so weit ausbauen, dass man die Kongruenz auf die hinteren Plätze verwies. Er wollte der Beste unter den Besten werden, und wenn diese Rücksichtslosigkeit, diese Falschheit, nötig war, würde er genau das tun. Ohne sich um die Verluste zu scheren.
Elko hingegen war so erfrischend ehrlich. Wenn ihm etwas missfiel, wusste Loke sofort darüber Bescheid. Und wenn er etwas haben wollte, zeigte er unverhohlen Interesse daran. So wie an Sigrid. Nur die würde er nicht bekommen. Loke lachte leise über die plumpen Versuche seines Bruders. Nur ein Junge, dachte er. Aber in ein paar Jahren würde er nicht mehr so kläglich scheitern. Da war sich Loke sicher.
Sigrid beugte sich über den Jungen, zog ihm die Schuhe aus und deckte ihn gründlich zu. Elko drehte sich noch einmal kurz zu ihr und verlangte nach einer Geschichte. Doch Sigrid schüttelte energisch den Kopf, setzte sich zu ihm und drückte ihm einen Kuss auf die Stirn. »Morgen, mein Schatz«, murmelte sie lächelnd und strich ihm zärtlich eine blonde Locke aus dem Gesicht. Elkos Blick suchte den seines Bruders und er glaubte, so etwas wie das Eingeständnis einer Niederlage zu erkennen. Gab der kleine Teufel etwa nach? Lokes Augenbrauen wölbten sich erstaunt und über die Züge des Kleinen glitt ein gewinnbringendes Lächeln. Als würde er ihm »Viel Spaß!« wünschen.
Sigrid bemerkte den brüderlichen Blickkontakt und erhob sich grazil. »Gute Nacht, Elko.« Ob sie erkannte, was zwischen ihnen lief? Diese kleinen Spielereien, die bereits jetzt nichts mehr mit geschwisterlichen Sticheleien gemein hatten? Jedenfalls ließ sie sich nichts anmerken. Sie nahm ihn an der Hand und Loke ließ sich von ihr aus dem Kinderzimmer ziehen. Aber nicht ohne Elko noch ein bissiges »Gute Nacht, Bruderherz!« zuzuwerfen.
Leise schloss sie die Tür hinter ihm. Als sie sich zu ihm drehte, zog er sie an sich. Willig schmiegte sie sich in seine Umarmung und seufzte zufrieden. Sie war so versessen drauf, ihm zu gefallen, dass er nicht mal seine Überredungskünste einsetzen musste. Er hatte sie nur an sich gezogen, um herauszufinden, wie ernst es ihr war. Hätte sie sich gegen ihn zur Wehr gesetzt, wäre sein Kampfgeist geweckt worden. Die Jagd wäre eröffnet gewesen.
Aber da sie sich willig an ihn schmiegte, war offensichtlich, was sie wollte und sie war nicht gewillt, die Chance mit Geplänkel zu vertun. Sigrid hatte nur ein Ziel vor Augen: Macht. Und ihr war jedes Mittel recht. Zum Glück verfolgten sie die gleichen Interessen. Ihr Bestreben nach Einfluss und Bedeutung stand dem seinen in nichts nach. Sie wären das perfekte Pärchen, um die anstrengenden Jahre der Ausbildung gemeinsam zu überstehen. Und ihre weiblichen Reize waren nicht zu verachten.
Auf der einen Seite wollte er wissen, wie weit sie gehen würde, um ihr Ziel zu erreichen, und auf der anderen … nun ja, er war Mitte zwanzig und sie war unbeschreiblich schön. Warum eine Scheinbeziehung eingehen, wenn sie beide genauso gut etwas Spaß miteinander haben konnten. Ihr Haar floss ihr wie kühles Wasser über die Schultern und er wollte es anfassen, seine Nase in ihrem Duft baden und darin versinken. Auch wenn er auf der Terasse noch über ihre Motive gegrübelt hatte, so war er doch noch immer ein Mann. Ein ziemlich junger Mann, vollgepumpt mit Testosteron. Und irgendwie wollte er auch sein Revier abstecken. Sein Bruder hatte sich von ihr abschleppen lassen, aber er war derjenige, der Sigrid abschleppte. Loke lachte innerlich über diesen unzulänglichen Vergleich. Er brauchte sich ja wohl nicht mit einem Fünfjährigen messen.
Säuerlich presste er die Lippen aufeinander. Leider entsprach das nicht der Wahrheit, denn der Kleine war sein Bruder und er musste sich mit ihm messen, denn der Winzling verfügte über unerreichbaren Charme. Wurde Zeit, dass er sein Revier deutlich markierte und den kleinen Scheißer in seine Grenzen wies. Elko hatte ihm zwar zu verstehen gegeben, dass er um Lokes Sieg wusste, aber das bedeutete noch lange nicht, dass er die Schlacht um Sigrid als erledigt betrachtete. Oh, wie er diese kleinen Spielereien liebte.
Energisch packte er Sigrid an den Hüften und zog sie an sich. Nicht nur, um seine Gedanken zu klären. Er hatte lange genug gewartet. Sigrid quietschte erschrocken, warf sich ihm aber dennoch bereitwillig an die Brust. Sehr schön. Der Winzling lauschte bestimmt angestrengt hinter der Tür. Sollte er ruhig mitbekommen, welcher Art Geräusche er ihr entlockte. Loke glaubte nicht, dass er sie missverstehen würde. Immerhin waren ihre Eltern nicht gerade prüde.
Sigrid stützte sich auf seiner Brust ab und kaute auf ihrer Unterlippe herum. Verbissen starrte sie auf die Knöpfe seines dunklen Hemdes. Er trug noch immer die traditionelle, langweilige Kleidung der Akademie. Schlichtes Schwarz, darüber schwarze Roben. Den Überhang hatten sie sich noch in den ehrwürdigen Hallen entledigen können, doch um sich auch vom Rest der Tracht befreien zu können, war keine Zeit geblieben. Und so trug er – genau wie Sigrid – noch immer die dunkle Baumwolkleidung, bestehend aus einem einfachen Hemd und einer weiten Hose. Nun, er hatte nicht vor, Sigrid lange in dieser Kleidung zu belassen.
Zärtlich schob er seinen Zeigefinger unter ihr Kinn und zwang sie mit sanftem Druck, den Kopf zu heben. Ihr lasziver Augenaufschlag brachte ihn fast um den Verstand. Ein verführerisches Rot zierte ihre Wangen, ob von Anstrengung oder Erregung konnte er nicht mehr feststellen und es war ihm auch schlichtweg egal. Seine andere Hand schob sich in ihren Rücken, tiefer. Mit sanften Druck rieb er über ihren Steiß und sie reagierte prompt. Genüsslich schloss sie die Augen, warf den Kopf in den Nacken und seufzte.
Makellose, cremigweiße Haut, die nur darauf wartete, von ihm markiert zu werden. Erregt kaute er auf seiner Unterlippe herum, um den Anblick noch einen Moment länger genießen zu können. Ihr Schlüsselbein zeichnete sich deutlich ab und forderte ihn heraus. Loke holte tief Luft und beugte sich zu ihr. Langsam glitt er mit der Zungenspitze über den harten Knochen bis zu der weichen Halsbeuge und hinterließ eine feuchte Spur. Sigrid erschauerte in seinen Armen und seufzte wohlig.
»Gefällt dir das?«, hauchte er an ihrem Hals. Sigrid blieb keine Zeit für eine Antwort. Loke grub die Zähne in die weiche Stelle direkt unter ihrer Halsbeuge.
»Ahhhh«, stöhnte sie und schlang automatisch eines ihrer schlanken Beine um seinen Oberschenkel. Loke biss die Zähne zusammen, als sie seine empfindliche Stelle berührte. Nein, nicht nur berührte, sie rieb sich bewusst an ihm. Verdammtes Weibsbild! Ihre Berührungen, ihn anschmiegsames Verhalten und das Wissen um den Sieg über einen lächerlichen Fünfjährigen ließen ihn nicht kalt. Er hatte gewonnen und sein Preis gab Töne der höchsten Verzückung von sich. Loke lachte leise und grub seine Zähne ein Stückchen weiter oben in ihren Hals. Dabei saugte er fest an ihr, damit sie morgen früh am Frühstückstisch einen Schal tragen oder sich mit Elkos quälenden Fragen nach dem Ursprung dieser Flecke herumschlagen musste. Vielleicht wurde die kleine Kröte Sigrid irgendwann lästig.
»Wo ist dein Zimmer?«, keuchte Sigrid und hob den Kopf. Sie schlang die Arme um seinen Nacken und beugte leicht den Kopf, die Lider zu verführerischen Schlitzen gesenkt, die vollen Lippen einladend geöffnet. Loke keuchte erregt auf. Sein Herz trommelte ihm gegen die Brust und sein Magen und eine Region deutlich tiefer zogen sich schmerzhaft zusammen. Ihr Bein presste ihn an sie und ihr verführerischer Mund verlangte geradezu danach, von ihm erobert zu werden. Noch widersetzte er sich dieser drohenden Niederlage, der er spürte ihr Lächeln mehr, als das er es sah. Just als ihre Mundwinkel zuckten, hatte er sich geschlagen gegeben und senkte seinen Mund auf ihre Lippen.
Gierig schob er sich in sich, eroberte, was ihm bereits gehörte. Doch er fand, dass ein einfacher Sieg nicht ausreichte. Er musste ihr beweisen, dass er der bessere Bruder war, das sie ihm gehörte und er wollte sie überall kennzeichnen. Ihre Lippen sollten von seinen Küssen glüchen, rote Male seiner Eroberung sollten ihren Hals verzieren und er wollte dafür sorgen, dass sie nicht einmal mehr schmerzfrei sitzen konnte. In seinen Küssen lag keine Liebe, sondern nur blanke Eroberungslust und die Leidenschaft des Siegers. Sigrid gehörte ihm und er wollte sie mit jeder Faser seines Körpers besitzen und jeder – vor allem die kleine Kröte – sollte morgen merken, wer ihr Lust bereitet hatte, wer dafür verantwortlich war, dass sie sich übernächtigt an einer Tasse Tee festhielt, dass sie kaum noch sitzen konnte.
Hastig hob er sie an und Sigrid reagierte prompt, schlang gierig ihren anderen Schenkel um seine Hüften und ließ sich von ihm in sein Zimmer tragen, ohne den Kuss auch nur für eine Sekunde zu unterbrechen. Loke kannte den Weg, er würde ihn sogar im Schlaf finden und sie fühlte sich so gut an, dass er absolut keine Veranlassung sah, Luft zu holen und ihr auch nur einen Moment Pause zu gönnen.
Hastig tastete er nach der Klinke, schob seine Zimmertür auf und schloss sie mit seinem Fuß. Fehlte noch, dass seine Eltern oder sein Bruder hier auftauchten. »Moment«, murmelte er gegen ihre Lippen und unterbrach den wilden Reign ihrer Lippen entgegen seiner Wünsche. Hastig löste er sich von ihr, tastete nach dem Schlüssel und drehte ihn zweimal herum. Nur, um ganz sicher zu gehen.

Sigrid lachte leise und drehte sich einmal um die eigene Achse, sah sich in seinem Zimmer um. Er wusste, dass es mit seiner schlichten Ausstattung, den vielen Büchern, dem gut sortierten Schreibtisch unter dem Fenster und dem großen Bett nicht ihren Vorstellungen einer angemessenen Räumlichkeit entsprach. In ihren Kreisen nächtigte man in Himmelbetten, dinnierte an eherenen Tafeln und arbeitete in großen Bibliotheken. Wenn seine Eltern sich der üblichen Lebensweise des Blutadels angeschlossen hätten, würde er in wie Sigrid in einer noblen Stadtvilla leben, statt hier auf dem Land zu hausen. Am nötigen Kleingeld mangelte es den Jörds jedenfalls nicht.
»Es ist nicht das, was du gewohnt sein musst«, murmelte er entschuldigend und deutete auf die kärgliche Einrichtung. Selbst gegen die Errungenschaften moderner Midgard-Technik hatten sich seine Eltern ausgesprochen. Er besaß weder einen dieser Drehstühle noch einen Computer. Und das, obwohl sie Zugang zu dieser Technik hatten. Aber nein, seine Eltern liebten die Eleganz der Schlichtheit. Loke war nahe daran, sich zu übergeben. Wie konnten sie sich so von der Zukunft abschotten?
Sigrid hingegen überging seine Entschuldigung mit einem perlenden Lachen. »Ich mag diese Eleganz, diese Reduktion auf die klassischen Formen?«
»Machst du dich etwa über mich lustig?« Irritiert wanderte seine Augenbraue nach oben und er vergrub die Hände in den Hosentaschen. Ein weiterer Vorteil dieser Kleidung. Zum einen verbarg sie die deutliche Wölbung unter dem Hosenbund, zum anderen boten die weiten Taschen genügend Platz, sich darin zu verstecken. Sigrid quittierte sein Gebaren mit perlendem Lachen. Wohlige Schauer jagten ihm beim Klang ihrer Stimme über den Rücken. Dieses Lachen hatte eine unnatürliche Affektiertheit an sich, doch es verfehlte nicht seine Wirkung.
»Mitnichten.« Mit wiegenden Hüften kam sie auf ihn zu, schmiegte sich an ihn und leckte schwer atmend über seine Unterlippe. Loke beobachtete ihre Bewegungen, verlor sich in der puren Erotik ihrer gesenkten Lider. Als sie seine Unterlippe streifte, beugte er sich leicht vor und kam ihrem Kuss entgegen. Leise stöhnend schob sie ihre Zunge in seinen Mund und zog ihn enger an sich. Ihre Hand kraulte das kurze Haar in seinem Nacken, während die Finger ihrer anderen Hand durch sein längeres Deckhaar glitten.
»Mh, so seidig weich und schwarz wie die Nacht«, murmelte sie und knabberte zärtlich an seiner Unterlippe.
»Magst du es?«
Sigrid nickte und ihre Nase streifte dabei seine Lippen. Hastig setzte ihr einen Kuss auf ihren Nasenrücken. »Sehr.«
»Soll ich es wachsen lassen?«
Sigrid lachte. »Oh ja, ich mag dein Haar, es ist so anders als das deines Bruders.«
Warum erwähnte sie jetzt seinen Bruder? Er hielt inne und drückte sie etwas von sich, so dass er ihr in die Augen sehen und ihre Reaktion studieren konnte. »Was hat der kleine Scheißer damit zu tun?« Sein Ton fiel ungewöhnlich scharf aus. Er wollte in dieser Situation ganz bestimmt nicht an Elko erinnert werden. Sigrid runzelte verwirrt die Stirn.
»Ich verstehe nicht …«
Loke verzog genervt das Gesicht. »Was willst du, Sigrid?«, wetterte er drauf los. »Du willst doch sicher nicht mit mir schlafen, weil ich so ein sonniges Gemüt habe? Und um die kleine Kröte hast du dich doch auch nur gekümmert, um mir zu gefallen, oder? Wir wissen beide, was du willst und was ich will.« Loke hatte ungewollt einen hitzigen Ton angeschlagen. Der Abend zehrte an seinem ohnehin labilen Nervenkostüm und Elkos ständiges Geschrei hatte nicht gerade zur Besserung seiner Laune beigetragen. Als die kleine Kröte endlich im Bett war, hätte er vor Freude beinahe lauf aufgeschrien. Endlich Zeit, sich den wirklich wichtigen Dingen zu widmen. Er schlang die Arme um Sigrids Hüften und drückte sie so an sich, dass sie die deutliche Wölbung in seiner Hose spüren konnte. Sie keuchte überrascht auf. Ihre Augen weiteten sich vor Erstaunen, nur um ihn später forschend zu mustern.
»Was will ich denn deiner Meinung nach?« Sie rieb ihre Hüfte an seiner Wölbung. Genüsslich biss sie sich auf die Unterlippe und leckte zur Bekräftigung ihres Vorhabens noch einmal über die volle Wölbung.
Loke keuchte überrascht auf und schluckte hart. Das Denken fiel ihm wirklich nicht leicht, wenn sie seinen gesamten Blutkreislauf Richtung Südpol schickte. Sigrid lachte perlend, doch die Affektiertheit konnte sie nicht verbergen. »Mich, Sex und Macht?« Keuchend starrte er auf ihre Unterlippe, das schmerzhafte Pochen am Südpol ignorierend. Leider war das leichter gedacht, als getan und Sigrid leckte sich immer wieder über die Lippen, als wäre er flüssige Schokolade, die nur darauf wartete, von ihr vernascht zu werden. Halt, nein. Er war war keine Schokolade. Eher cremiges Vanille-Eis. Loke keuchte, verdammt, bitte keine Assoziationen zu irgendetwas Leckbarem.
Sigrid quittierte sein Starren mit Gelächter. Diesmal bemühte sie sich nicht, ihre Haltung zu verbergen. »Dein Erbe verspricht großen Einfluss und du hast die besten Chancen auf die Ehre des Hammerträgers. Du bist der Erstgeborene, dein Bruder sollte dir also nicht im Weg stehen. Und meine Familie könnte dir große Vorteile verschaffen.«
Loke keuchte. »Mitnichten. Die Wahl geht ausschließlich vom Göttlichen selbst aus.« Sigrid lächelte. »Aber noch nie wurde jemand ohne Einfluss erwählt. Jeder Träger hatte eine einflussreiche Familie und es wird gern gesehen, wenn bereits eine Partnerschaft zur Stabilisierung der Persönlichkeit besteht. Hammerträger zu sein ist kein leichter Job.«
Er kannte die Berufsbeschreibung ausnehmend gut, kein geringeres Ziel verfolgte er seit seiner Jugend. Wann immer er konnte, hatte er Zeit bei Verwandten im Zentrum der Stadt verbracht und in seiner Kindheit war er heimlich ins Ratsgebäude vorgedrungen und hat die Sitzungen belauscht. Wenn er sich richtig erinnerte, konnte er Sigrids Vater, Lord von Stetten, sogar ein Gesicht zuordnen. Ein freundlicher, alter Herr mit der Verschlagenheit einer Spitzmaus. Loke lächelte in sich hinein, Sigrid konnte ihr Erbe genauso wenig verbergen wie er. Und ihre Ambitionen noch viel weniger.
»Was also schlägst du vor?« Er beugte sich langsam vor und vergrub seine Nase in ihrem duftenden Meer aus goldenen Locken. Oh, ihm war praktisch egal, was sie vorschlug, Hauptsache sie machte die Beine für ihn breit. Und nur für ihn. Pah, was ein Glück, dass Elko noch ein Kind war. Er konnte sie vielleicht mit seinen Spielchen und dem einnehmenden Lachen um den Finger wickeln. Aber er würde ihr nie geben können, was sie tatsächlich brauchte. Noch nicht. Loke grub seine Zähne unerwartet heftig in ihre Halsbeuge, doch Sigrid schrie nicht. Sie seufzte begehrlich auf und rieb sich erneut an ihm.
»Eine Verbindung unserer Häuser zu deinem und meinem Vorteil«, stöhnte sie und warf den Kopf in den Nacken.
»Weiter«, flüsterte Loke und stillte die reizvolle Rötung seiner Bisse mit sanften Küssen.
»Außerdem«, keuchte Sigrid, »möchte ich, dass du auf gar keinen Fall aufhörst. Nicht jetzt, nicht hier, niemals. Ich will Nachkommen, Loke Jörd!« Erschrocken hielt er inne und hob den Kopf.
»Du willst Kinder?« Seine Erregung pochte frustriert auf. Sigrid nickte.
»Nicht jetzt, die Hornochse!« Gespielt trommelte sie ihm auf die Brust und zog ihn wieder an sich. »Nicht aufhören, verstanden!« Loke nickte paralysiert und wandte sich wieder ihrer Halsbeuge zu. »Irgendwann einmal, wenn wir mit der Ausbildung durch sind und du Hammerträger bist, dann will ich Kinder. Ich will Blutadel werden!«
Loke hätte sich geschüttelt, vor Ekel, vor Berechnung. Aber Sigrid sprach nur das aus, was er bereits wusste. Und er hatte nichts dagegen. Kinder? Natürlich wollte sie das. Ihre Familie besaß zwar Macht und Einfluss, aber ihnen fehlte das Erbe. Eine Verbindung mit den Jörds würde diese Makel ausgleichen. Sigrids Kinder hätten das Erbe Thors und waren damit potentielle Hammerträger. Für diese Ehre würde sie Einiges in Kauf nehmen. Sogar jemanden wie ihn.
Sigrid seufzte und stieß ihre Hüfte heftig gegen seine Härte. Okay, offensichtlich fiel ihr dieser Part nicht sonderlich schwer. Loke lachte und hob sie schwungvoll auf seine Arme. »Klingt nach einer für mich lohnenden Abmachung.« Sigrid beugte sich vor und küsste ihn hingebungsvoll. »Für uns beide!«